DANKE und Geburtsbericht

Geschrieben von Katharina am 24. Juni 2012, 14:30

Ihr Lieben,

habt Dank für eure vielen, vielen guten Wünsche. Unser Elias macht uns wahnsinnig viel Freude. Er ist ein sehr zufriedenes, genügsames Kind. Klar, Blähungen hat er mal und schreit dann sehr, aber ansonsten ist er nur selten unleidlich. Dafür kann er unfassbar viele Gesichter machen, von denen eins süßer ist als das andere. Im Schlaf grinst er manchmal oder lächelt selig vor sich hin. Dann wieder guckt er ganz erstaunt oder ganz böse und zieht dabei eine so süße Schnute, dass ich ständig lachen muss. Am lustigsten sieht es aus, wenn er anfängt zu meckern. Dann verzieht er sein Gesicht dermaßen, dass er aussieht wie ein steinalter Zwergen-Opa. :-) Kurzum: ich könnte ihn ununterbrochen anschauen und abknutschen. :-)

So leicht, wie wir es jetzt mit ihm haben, so leicht war, nach ein paar Anlaufschwierigkeiten, auch die Geburt. Am 12.6. bin ich morgens um zwei aufgewacht, weil ich zur Toilette musste, was sich dann aber als Blasensprung entpuppte. Meine Hebamme hat mich erstmal zurück ins Bett geschickt, damit ich nochmal schlafe bis die Wehen kommen und Kraft sammle für die Geburt. Erstmal war ich viel zu aufgeregt zum Schlafen, aber dann hab ich doch noch ein paar Stündchen Schlaf bekommen. Mittags kam dann meine Hebamme zu der Zeit, zu der wir ohnehin Vorsorge gehabt hätten. Die Lagebesprechung war nicht so erfreulich: Der PH-Wert-Test ergab, dass es tatsächlich Fruchtwasser und nicht etwa sehr flüssiger Schleim war, was da abgegangen ist. Und das hieß: entweder setzen jetzt bald die Wehen ein, oder ich muss ins Krankenhaus und Antibiotika kriegen, damit das Kind nicht durch den nun offenen Weg mit irgendwas infiziert wird, was da so an Keimen aufsteigen kann.
Die nächsten Stunden haben mein Mann und ich dann damit zugebracht, irgendwie Wehen in Gang zu setzen: Treppensteigen, den kleinen Berg in unserer Nachbarschaft rauf und runter toben, heiße Badewanne, Kontraktionen-auslösende Zärtlichkeiten, Zimttee usw. Aber an Wehen war nicht im Entferntesten zu denken. Ziemlich traurig (und tränenreich) haben wir uns also von unserem Traum einer Hausgeburt verabschiedet und die Kliniksachen fertig gepackt. Unsere Hebamme hat uns ins Krankenhaus gebracht und mit den dortigen Hebammen eine gute Übergabe gemacht. Natürlich brach sofort die Krankenhausroutine über mich ein: CTG schreiben, Zugang legen, Blut abzapfen, Antibiotikum spritzen, Fragebögen ausfüllen, vaginale Untersuchung, Ultraschall usw. - das ganze Programm. Als die ganzen Aufnahmeformalitäten durch waren, hat sich unsere Hebamme von uns verabschiedet und uns dem Klinikpersonal überlassen.
Nun bekam ich eine erste Mini-Testdosis des Wehenmittels, samt einstündiger CTG-Überwachung und dem Hinweis, dass ich dann in ein paar Stunden die niedrigste richtige Dosis kriege, falls sich bis dahin nichts tut. Das CTG war nervig aber uninteressant, weil von Wehen nach wie vor nicht zu reden war. Kleinere Kontraktionen schon, aber sonst nix. Immerhin durfte ich danach selbst entscheiden, wie es weiter gehen soll. Ich entschied mich für schlafen (es war mittlerweile abends halb elf), um Kraft für die Geburt zu sammeln. Nach meinem nachmittäglichen Sportprogramm war das jetzt dringend nötig.
Also durften wir rauf auf Station (wir hatten ein Familienzimmer) und ins Bett. Gegen elf/ halb zwölf kamen dann die ersten Wehen. Ich war überrascht, wie heftig und urgewaltig dieser Schmerz war. Und wie lokal. Ich hatte mit Schmerzen im gesamten Bauch gerechnet, aber es lokalisierte sich alles in der Gegend um den Muttermund. Zum Glück hatte ich in den letzten Wochen oft Atmen und Tönen geübt. Das half mir jetzt. Ich hatte zwar nicht den Eindruck, dass es den Schmerz linderte, aber es gab mir die Möglichkeit, ihm nicht ausgeliefert zu sein, sondern irgendwie "mitzuwirken". Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass das Kind die Geburt quasi alleine macht und ich gerade Mal versuchen kann, das auszuhalten.
Die Wehen kamen so alle 15-20 Minuten, so dass ich dazwischen jeweils tief schlafen konnte. Mein Mann hat mir anfangs noch das Kreuz massiert, doch dann hat auch er geschlafen und tatsächlich mehrere Wehen verpennt. Ich hab ihn schlafen lassen, denn auch er würde seine Kräfte später noch dringender brauchen.
Ungefähr ab eins/ halb zwei kamen die Wehen dann im Fünf-Minuten-Abstand. Das reichte kaum noch, um zwischendurch wieder einzuschlafen. Außerdem waren in dieser Phase auch mein Magen und mein Darm zwischen den Wehen damit beschäftigt, alles loszuwerden, was für die Geburt eher im Wege gewesen wäre. Gegen halb drei dann war ich bei einem 1-2-Minuten-Takt angekommen. Mein Liebster war jetzt wieder an meiner Seite und hat mir das Kreuz massiert. Und ziemlich schnell hab ich dann entschieden, dass es nun an der Zeit ist, wieder runter in den Kreissaal zu gehen, so lange ich noch laufen kann. Die Krankenhaus-Hebamme hatte uns offenbar schon erwartet und meinte zur Ärztin: „Hab ich es nicht gesagt? Die sehen wir schon sehr bald wieder und dann ist sie auch schon ziemlich weit.“
Im Kreissaal wurde ich erstmal wieder verkabelt, was mir extrem lästig beim Veratmen der Wehen war. Noch dazu hatte ich für mich herausgefunden, dass es mir im Stehen am erträglichsten ist. Aber diese blöden Kabel haben sich so verheddert, dass ich an die Stelle des Kreisbettes, an der man sich im Stehen gut festhalten und abstützen konnte, kaum hinkam. In diesem Moment war ich kurz davor, die ganze Kabelage wieder abzureißen. Aber mein Respekt vor den teuren Geräten hat mich davon abgehalten. Ungefähr drei Wehen später war das Zeug dann endlich installiert und die Hebamme bat mich, mich kurz auf die Liege zu legen, damit sie untersuchen kann, wie weit der Muttermund ist.
Das Ergebnis war offenbar gut (eine Zahl hat sie nicht genannt), aber ein, zwei Wehen später kam bereits der Pressdrang. Sofort schoss ich hoch. Wehen im Liegen waren schon furchtbar. Aber Presswehen im Liegen gingen gar nicht. Ich kniete mich aufs Bett, gab nie gehörte Urlaute von mir, presste ordentlich, war erleichtert, jetzt endlich aktiv was tun zu können, und spürte, wie es voran ging. Immerhin befreite die Hebamme mich jetzt vom Wehenschreiber (offenbar war nun endlich auch so zu erkennen, dass ich Wehen hatte * sarkastisches Grinsen *), nur die Herztöne wurden nach wie vor geradezu panisch nach jeder Wehe überwacht. Aber das Kind war nach wie vor in bestem Zustand (wie – Überraschung! - auch schon die ganze bisherige Schwangerschaft über). Mein Mann war derweil an meiner Seite, gab mir seine Hände zum festklammern, gab mir Halt, als ich mich mit dem Kopf bei ihm anlehnte und war auch sonst um mich herum. Ich hab kaum Erinnerungen, ob und was er aktiv getan hat. Aber es gab mir viel Kraft, ihn an meiner Seite zu spüren.
Nach einiger Zeit sollte ich mich für zwei Presswehen auf die Seite legen, damit sich das Köpfchen leichter im Becken drehen kann. Das machte ich brav, doch danach hatte ich leider nicht mehr die Kraft, wieder auf die Knie zu kommen und die Hebamme hat mich auch nicht wirklich dabei unterstützt. Nur kurz gefragt, ob ich wieder hoch will, aber allein hab ich es nicht mehr geschafft. So hab ich dann die letzten Presswehen auf der Seite liegend verbracht und irgendwann war das Köpfchen endlich durch. Komischerweise habe ich diesen Schmerz als gar nicht schlimm in Erinnerung. Schlimm war vielmehr das, was die Hebamme dazwischen immer noch rumgefummelt hat. Da hab ich ein paar Mal vor Schmerz aufgeschrieen. Mein Mann sagte mir später, dass sie lediglich den Damm geschützt hat, aber es fühlte sich an, als ob sie immer noch dauernd Muttermunduntersuchungen machen würde. Jedenfalls wollte ich sofort nach dem Köpfchen fühlen, aber da kam auch schon die nächste Wehe und der ganze Körper glitschte in einem Schwung aus mir raus. Sofort nahm ich mir das Kind und legte es auf meine Brust und hielt es ganz fest und bestaunte das kleine Gesicht und die Winzigkeit dieses Wesens.
Das war am 13.6. um 4:59 Uhr. :-)
Über das Geschlecht und wann ich es nachschauen will musste ich mir übrigens keinerlei Gedanken machen, denn das hatte ich nebenbei schon gesehen, als ich das Kind aufnahm. (Es lag auf dem Rücken, als ich es mir nahm. Völlig nebensächlich, geradezu egal war es mir trotzdem. Und so hielten mein Mann und ich diesen Winzling im Arm und waren reichlich fassungslos darüber, was für ein Wunder uns da so plötzlich geschenkt war. Die Hebamme hatte ein Handtuch über den Kleinen gelegt und wir hielten ihn ganz fest.
Die Nachwehen für die Plazenta nahm ich ziemlich gelassen hin. Ich fand sie bei weitem nicht so schlimm wie die Geburtswehen. Ich presste brav, als der Pressdrang kam, aber das lief eher nebenher, während ich das Kind bestaunte und das erste Mal stillte. Irgendwo dazwischen hat mein Mann die Nabelschnur durchgeschnitten. Und auch zum Messen und Wiegen hat er den Kleinen gebracht, damit ihn nur ja niemand anderes nimmt außer seinen Eltern. Mit diesen Extrawünschen ist die Hebamme super umgegangen. Sie hatte großen Respekt davor, dass wir eigentlich unser Kind ohne fremde Leute kriegen wollten und hat sich sehr zurück gehalten.
Nachdem die Plazenta da war und die gröbsten Schweinereien gereinigt waren, durfte ich in mein Krankenbett umziehen, das mir von der Station runter geholt worden war. Das Kind behielt ich dabei die ganze Zeit an meiner Brust. Wir wurden in ein extra Zimmer geschoben, was es im Kreissaalbereich gab. Dort konnten wir dann in aller Ruhe frühstücken, den Kleinen von seinen ersten Mekoniumspuren befreien und ihn unendlich weiter bestaunen.
Nachdem die Kinderärztin zur U1 da war, durften wir nach Hause. Ein bisschen hat es noch gedauert, bis wir all unseren Kram zusammen gepackt hatten. Der Kleine bekam seine Klamotten an – er versank geradezu darin, so winzig war er. Und gegen zehn stiegen wir dann ins Taxi und fuhren heim. :-)
Und am Abend kam unsere Hebamme dann schon zur ersten Nachsorge. :-)

So, das war jetzt ziemlich ausführlich. Ich hoffe, das ist okay. ;-)

Die Krankenhaus-Hebamme meinte zum Abschied noch zu mir, dass sie bei ihren mittlerweile über 2500 Geburten noch nie eine Frau erlebt hätte, die so ein gutes Körpergefühl hatte. Ein bisschen fühlte sich das an, als wollte sie mir schmeicheln, aber gefreut hat es mich trotzdem. Und die nächste Geburt, meinte sie gleich von sich aus, werden wir gewiss zu Hause machen. – Was sie allerdings für sich bedauern würde, denn sie würde uns gern wieder sehen. ;-)
Ach ja, noch was: ich hab unter der Geburt nicht eine Sekunde lang bereut, schwanger geworden zu sein. Ich habe meinen Mann nicht beschimpft und mich nicht einmal über die Schmerzen beklagt (außer bei den vaginalen Untersuchungen). Es fühlte sich einfach alles so richtig und so natürlich an, auch wenn es wehtat. Wenn man mich inmitten der Wehen gefragt hätte, ob ich noch ein Kind will, ich hätte ohne zu zögern bejaht. – Das ist für mich ein besonders schöner Teil dieser Geburt. Denn man hört ja so oft, dass es Frauen da auch ganz anders ergehen kann.
Und zu guter Letzt: ich bin nicht gerissen, ich wurde nicht geschnitten, ich hatte keinen Kaiserschnitt, auch keine Symphysenüberdehnung, keinen verschobenen Steiß oder was der Komplikationen mehr sein können. Gerade mal kleine Schürfungen, die nach drei Tagen so gut wie verheilt waren. – Komplikationsfreier kann man sein Kind nicht bekommen. :-)

Liebe Grüße euch allen von
Katharina :-)
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