Danke! - Und ein etwas längerer Lagebericht

Geschrieben von Katharina am 16. September 2011, 13:37
Als Antwort auf: Re: für Katharina und ihr Sternchen geschrieben von Maudi

Ihr Lieben!

Danke für eure lieben Worte und Kerzen.

Besonders dir, Claudia, vielen, vielen Dank für deine Unterstützung!

Es geht mir, wie ihr euch denken könnt, beschissen. Bis jetzt war alles so schön verlaufen. Brüste gewachsen, Bauch gewachsen, Hunger ohne Ende, viel Schlaf, Arbeit so weit es ging reduziert, zusätzliche Verpflichtungen zurückgefahren. Alles sollte schön sein für das Baby. Mein Mann war richtig stolz auf mich, weil ich sonst immer viel zu viel arbeite, viel zu wenig schlafe und phasenweise auch zu wenig esse. Aber jetzt fiel mir das so leicht.
Anfang der Woche hatte ich das Gefühl, dass ich es nicht mehr lange aushalte, es auf Arbeit geheim zu halten. Ich war wirklich deutlich weniger belastbar als bisher. Da ich tolle Kollegen und eine tolle Chefin habe, dachte ich, wenn ich jetzt schon was sage, könnten sie mich vielleicht ein bisschen entlasten oder mir zumindest nachsehen, dass manches im Moment eben nicht so gut geht.
Doch da wir kompliziert befristete Verträge haben, für die es andere rechtliche Regelungen gibt, als für normale befristete Verträge, hab ich sicherheitshalber zuvor den Betriebsrat gefragt, ob ich es riskieren kann, jetzt schon was zu sagen. (Bis Ende Oktober müsste man mich kündigen, wenn man mich zu Ende August loswerden will, ansonsten verlängert sich der Vertrag automatisch um ein weiteres Jahr. Es ist jetzt also grad "heiße Phase". Eigentlich hab ich im Moment nichts konkret zu befürchten. Aber sicher ist sicher.) Der Betriebsrat hat jedenfalls sofort die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Ich soll bloß nichts sagen. Das letzte Mal ist eine Schwangere, die in den kritischen Wochen vor Ende Oktober was gesagt hat, sofort gekündigt worden. Kündigungsschutz gibt es in dem Fall nicht. Und ich soll mir um Himmels Willen bloß nichts anmerken lassen, bevor der kritische Termin rum ist.
Das hat mich ziemlich geschockt. Zum einen hab ich meinen Big Boss in der Beziehung völlig anders eingeschätzt. Zum anderen wollte ich ja grad was sagen, um mich ein bisschen zu entlasten. Nun also hatte ich plötzlich die Aufgabe alles zu vertuschen. Und zwar alles: meine Vorfreude, den wachsenden Bauch, die wachsenden Brüste, meine Dauermüdigkeit, meinen Dauerhunger, meine eingeschränkte Leistungsfähigkeit, alles. Und zwar bis zum Ende der 12. Woche, was genau mit dem kritischen Kündigungsdatum zusammenfällt.
Ich kam an dem Tag ziemlich fix und fertig nach Hause. Das war wie ein Schlag in die Magengrube. Am nächsten Tag (das war Mittwoch, also vorgestern) kriegte ich eine leichte braune Schmierblutung. Ich bin (mal wieder) zeitig heim gegangen. Vormittags hatte ich schon von zu Hause gearbeitet (das geht bei uns gelegentlich und fällt nicht all zu sehr auf) und hatte außerdem Bescheid gesagt, dass es mir nicht so gut geht und ich mit der Wärmflasche auf dem Sofa bleibe und von da aus arbeite. Nachmittags für eine Sitzung bin ich ins Haus gekommen, da fragte meine Chefin auch, ob es mir besser geht, oder ich mich grad quäle. Ich hab ihr gesagt, dass ich mich quäle, und bin auch nach der Sitzung direkt wieder nach Hause gegangen. (Ich nehme stark an, dass sie Verdauungs- oder Regelbeschwerden assoziiert hat.)
Zu Hause hab ich mich sofort schlafen gelegt. Die Schmierblutung wurde jedoch stärker und es war viel glasiger, gelblich-braun verfärbter Schleim dabei. Natürlich hab ich ganz brav versucht, nicht nervös zu werden. Ich hatte ja gerade erst gelernt, dass braune Blutungen eher harmlos sind und die roten, die gefährlichen.
Gestern (Do) Morgen gab es dann einen dickeren braunen Schleimklumpen, ähnlich dem, was sich während der Regel beim Tamponwechsel abseilt. Weil es mir insgesamt schlechter ging, beschloss ich, mich vom Hausarzt ein paar Tage krank schreiben zu lassen, damit ich viel schlafen kann.
Das hat er auch anstandslos gemacht und mir sicherheitshalber noch eine Überweisung zum Gyn mitgegeben, damit der doch auch mal drauf schaut. Halbwegs zuversichtlich hab ich das Sprechzimmer verlassen. Da sich die nächste Portion Blutung ankündigte, hab ich mir noch schnell den Toilettenschlüssel geben lassen, damit ich nicht bis zu Hause völlig eingesaut bin. (Tampons zu benutzen wäre mir merkwürdig vorgekommen.) Doch schon auf dem Weg vom Praxistresen zur Toilette merkte ich, dass sich ein größerer Schwall davon macht. Ich konnte ja direkt nachsehen und es war ein dicker dunkelroter Schleimklumpen - ungefähr so groß, wie sonst alle Schleimabsonderungen während der gesamten Regel zusammengenommen. Vielleicht noch mehr. Dazu noch weiterer roter Schleim und etwas Blut. Ich wusste jedenfalls sofort, dass das jetzt das Baby war.
Nur so zur Sicherheit, um mir nicht umsonst Sorgen zu machen, sind wir dann direkt weiter zum Gyn. Der hat Ultraschall gemacht und nichts gefunden, was sicher auf eine Schwangerschaft schließen lässt. Er meinte aber auch, dass es sein könnte, dass noch nichts zu sehen ist, weil es noch so früh ist. (5. Woche + 3 Tage bzw das Baby war 24 Tage alt) Er hat dann noch Blut abgenommen um zu checken, ob das Schwangerschaftshormon schon hoch genug ist, dass er hätte mehr sehen müssen. Aber da wusste ich schon, dass das sinnlos ist. Er hat dann auch gesagt, dass es wirklich sein kann, dass es eine Fehlgeburt war.
Wieder zu Hause haben mein Mann und ich erstmal nur geheult. Wir hatten uns schon so sehr auf das Baby gefreut!
Nachmittags hab ich meine Hebammen-Freundin angerufen. Die hat nicht so viele Möglichkeiten überlegt wie der Arzt, sondern etwas deutlicher gesagt, dass es eine Fehlgeburt war. Da der Arzt noch gesagt hatte, dass man vielleicht ausschaben muss, hab ich sie dazu auch gleich noch um Rat gefragt. Sie hat mir eine Teemischung gesagt, die die Gebärmutter dabei unterstützt, selbständig alle Reste abzustoßen, damit man nicht schaben muss. Und um diese Zeit hatte ich dann auch schon Kontraktionen der Gebärmutter, die sie als Nachwehen identifiziert hat.
Den Rest des Tages hab ich dann hauptsächlich geheult, geschlafen, den abgehenden roten Schleim und das Blut beobachtet (ob es sich noch so entwickelt, dass geschabt werden muss oder nicht) und mich mit meinem Mann zusammengekuschelt, dem es (bis auf die Bauchkrämpfe) genauso beschissen ging wie mir.
Die Nacht war ein ziemlicher Horror: völlig verquollen und verrotzt vom Heulen tat der kopf ständig weh, die Nase war zu, der Mund entsprechend offen. Dauernd bin ich aufgewacht, der Bauch hat weiter brav vor sich hin gekrampft, das Licht hat mich irritiert (wir hatten eine Kerze an, die die ganze Nacht brennen sollte, weil wir sie beide nicht löschen konnten/ wollten - die ist dann erst heute Vormittag verloschen), ständig musste ich zur Toilette. Mein Mann hat genauso schlecht geschlafen, trotzdem waren wir nur einmal zeitgleich wach.
Heute morgen dann hatte ich einen fetten Brummschädel, erhöhte Temperatur (statt des erwarteten Temperatursturzes) und fühlte mich eigentlich nur noch leer. Mein Mann konnte vorhin die Teemischung aus der Apotheke holen. Nun trinke ich brav davon, heule dauernd vor mich hin, beobachte weiterhin, wie sich der Schleim bzw die Blutung entwickelt und warte auf den Anruf meines Gyn mit den Laborbefunden, die mir auch nichts Neues sagen werden.
Zum Glück bin ich grad krank geschrieben! Arbeiten ist definitiv das letzte, was ich im Moment könnte. Ich werd sicherlich auch nachher nochmal ein bisschen schlafen. Auch wenn ich das Gefühl hab, dass es für die Gebärmutter besser ist, nicht so viel zu liegen. In aufrechter Haltung scheint sie den Schleim besser loszuwerden. Und ausgeschabt werden will ich wirklich nicht!

So, das war jetzt ganz schön viel. Ich hoffe, ich bin euch mit diesen Schilderungen nicht zu nahe getreten. Auf jeden Fall hat es mir grad gut getan, das alles nochmal zu rekonstruieren. Es scheint so endlos viel Zeit vergangen zu sein....

Liebe Grüße und danke für euer Mitgefühl!
Katharina
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